Fila Brasileiro Grand DIEGO del Caballero de la Montana - Erinnerungen

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Fila Brasileiro Grand DIEGO del Caballero de la Montana

Diese Seite ist im Nachhinein erstellt und verläuft daher chronologisch von oben nach unten.

Die ganze Geschichte von DIEGO

NICOs Tod hatte uns alle sehr mitgenommen und der Umstand, dass er nicht mehr da war, hinterließ ein riesen Loch.

Der Gedanke, dass vorerst kein neuer Hund ins Haus käme, hielt daher wohl kaum zwei Tage. Aber es sollte kein Bobtail mehr werden - die langen Haare waren doch sehr pflegeaufwendig - und einen Kameraden wie NICO würde es wohl ohnehin nie wieder geben...
Im Internet suchten wir nach einer Hunderasse, die gut aussähe und vom Wesen her wieder zu uns passte.
Sicherlich findet jeder Hundehalter und -züchter, dass sein Hund, seine Rasse die schönste wäre - aber wir waren völlig unvoreingenommen, weil ja komplett ohne Hund.

Der Neue müsste charakterlich in der Lage sein NICOs Nachfolge anzutreten, und er sollte auch nicht kleiner als ein Bobtail sein. Wir können heute nicht mehr sagen, was uns mehr überzeugte, aber wir fanden, dass ein Fila Brasileiro genau der richtige Typ für uns sei. Auch ein passender Züchter war bald gefunden - Jürgen Ozimek aus Künzelsau.

Der Zufall wollte, dass Jürgen im August 2002 einen Wurf erwartete und wir auch einen Welpen abbekommen sollten - trotz einer langen, langen Warteliste!?

In dem Jahr stand wieder ein Urlaub auf dem Lindenhof Nageler in Feffernitz an und wer auf dem Weg nach Kärnten über Hannover fährt, kann auch über Künzelsau fahren - die paar Kilometer mehr... Wir lernten Züchter und Hündin kennen.

Der Zufall wollte auch, dass gerade ein halbwüchsiger Rüde zurückgekommen war, den wir auch kennenlernen konnten.
Die Rasse gefiel uns.
Ein weiterer Zufall wollte, dass ein Bekannter uns im September auf einen Kurzurlaub in die Nähe von München einlud. München - Künzelsau ist lange noch nicht so weit, wie Demmin - Künzelsau, so dass wir die Welpen und die Mutter zwischenzeitlich besuchen konnten.

Wir wussten, dass es ein G-Wurf wird, aber - so einfach GRAND DIEGO letztlich auch klingen mag - die Namens-findung dauerte schon einige Tage. Im Oktober 2002 konnten wir unser "lang ersehntes Baby" dann nach Hause holen.
Kaum größer als die Kater - wohl aber schon um Einiges schwerer und auch tolpatschiger - war DIEGO ein niedlicher Zeitgenosse.


Ein Problem war die damals im Jahre 2002 aufkommende Stimmung gegen so genannten Kampfhunde, zu denen auch der Fila gehören sollte. Aber wir haben uns kundig gemacht und konnten den Hund bis 15 Monate problemlos halten. Danach hätte er einen Wesenstest machen sollen. Letztlich hat uns deswegen nie jemand angesprochen oder gar angefeindet.
Am 12. Oktober 2002 kam DIEGO zu uns.
Hier nimmt er "sein Reich" in Beschlag und besichtigt mal eben den offenen Geschirrspühler. Es könnte ja noch 'was Leckeres an den Tellern kleben... Bei einem Welpen findet man es meistens niedlich, aber bei später 60 kg auch noch?

Bei " wichtige Überlegungen zum Kauf eines Hundewelpen" habe ich geschrieben, dass man dem Welpen nichts erlauben sollte, was der "große" Hund dann nicht mehr soll. Damit ist nicht nur das Sprigen auf den Schoß oder das Sofa gemeint...

Später wird DIEGO noch lernen sämtliche Türen im Haus zu öffnen - auch mit hoch gestellten Drückern - so dass wir alle Drücker gegen Knäufe tauschen mussten, er öffnet den Backwagen vom Herd, den Mülleimer, den Kühlschrank, kann auf einem Stuhl sitzen - und Einiges mehr.
Was er allerdings nie gelernt hat, war allein zu bleiben.

Aus heutiger Sicht und mit dem Wissen von heute wissen wir, dass wir von Anfang an viel zu viel durchgehen ließen und so ziemlich alles falsch machten, was man falsch machen kann.
Ein Fila ist eben doch kein Bobtail!
DIEGO entwickelte sich gut und wurde ein schmucker Fila.
Auch mit den Katzen vertrug er sich gut, wenn sie sich auch manchmal etwas höher in Sicherheit bringen mussten.

Problematisch waren anfangs die Stunden in der Welpenschule. Niemand wollte seinen Hund mit unserem spielen lassen, weil: zu groß, zu schwer und zu tolpatschig. Dennoch war DIEGO Jedermanns Freund und entwickelte sich bis zum Alter von fast zwei Jahren in einigen Punkten gar nicht filatypisch.

Eine Eigenart war, dass er nur "besonderes" Wasser mochte. Er trank niemals aus einem Eimer, Napf oder gar einer Pfütze - aus unserem Teich, einem Bach oder See nur, wenn er sich dabei nicht die Pfoten nass machen musste. Woher bekam er dann sein Wasser? So komisch das klingen mag - aus dem Bidet oder auch dem Klo. Wenn jemand im Bad war, ließ er sich den Wasserhahn vom Bidet öffnen und wenn niemand in der Nähe war, hörten wir gelegentlich den Klodeckel poltern.
Wir wussten, dass Filas Fremde, wie z. B. auch Besuch, nicht mögen. Wir haben dafür gesorgt, dass DIEGO so ziemlich alle Leute schon recht früh kennenlernt, die uns jemals besuchen könnten. Wir waren mit ihm in vollen Bierzelten, Einkaufszentren und auch in Fußgängerpassagen. Er konnte in vollen Bussen ebenso fahren, wie Seilbahn, Fahrstuhl und Rolltreppe. Und wir konfrontierten ihn mit allen Tieren unserer Umgebung.

2003 kam er mit in den Urlaub nach Kärnten. Auch hier verhielt er sich tadellos. Das Wegsperren des Hundes bei Besuch, was wir von einigen Fila Besitzern gehört hatten, war bei absolut DIEGO nicht erforderlich.
Er war ein Menschenhund. Bianca war zu der Zeit selbständig und meist abends oder an den Wochenenden unterwegs, wenn jemand anders da war. DIEGO war nie allein und sehr auf sie bezogen. Neben dem PC-Arbeitsplatz stand extra ein Stuhl für ihn, auf dem er neben Frauchen sitzen konnte. Ein Fehler, wie wir heute wissen, aber damals fanden wir es cool.

Nicht selten musste sie ihn mit einer Hand stützen, damit er vor Müdigkeit nicht vom Stuhl fiel. Dennoch war dieser Bezug zu sehr ausgeprägt, so dass er einen Hunde-Kameraden bekommen sollte. Das wurde dann LUNA. Das Experiment gelang nicht sehr gut - er blieb ein absoluter Menschenhund.

Filatypisch entwickelte sich sein Wach- und Schutzinstinkt, so dass er alles, was er sehen konnte, als seine Hazienda betrachtete. Gelegentlich knurrte er Leute an, die noch so weit weg waren, dass wir sie nicht einmal sehen konnten - er schon.

Auch konnte er sehr wohl unterscheiden, ob Besuch "angemeldet" war oder nicht.

Brachten die Kinder Schulkameraden mit, die DIEGO zunächst nicht bemerkte, hatten die später keine Chance z. B. allein die Toilette zu erreichen. Hatte der Besuch jedoch seine Anwesenheit durch Klingeln angemeldet, konnte er sich völlig frei im Haus bewegen. Das Schöne daran war, dass niemand unangemeldet von hinten über die Terrasse kommen konnte. Wer sich nicht durch Klingeln an der Haustür anmeldete, wurde gnadenlos verbellt.
Durch eine Reihe von Fehlern, die wir machten, entwicklte sich DIEGO in einen "Ober Alpha Rüden". Ein Teil war ihm wohl schon in die Wiege gelegt, aber einen Großteil haben sicher wir "versaut", weil er zu viel durfte. Er konnte sich problemlos zwischen Menschen bewegen, wir konnten mit ihm ohne Leine Spaziergänge machen, er ging ohne Leine perfekt "bei Fuß", außerhalb des Hauses hat er niemals Leute oder andere Hunde angebellt, aber Gehorsam hat nicht immer etwas mit Unterordnung oder Rangordnung im Rudel zu tun.

Im Alter von fast zwei Jahren hielt DIEGO sich für ranghöher als die Kinder. Waren wir Eltern zuhause, gab es keine Probleme - ohne uns schon.

Wir hätten die Jan Fennell Bücher schon damals kennen sollen...

Die erste schmerzliche Erfahrung musste Claudia machen.
Sie schnitt eine neue Futtertüte auf und füllte den Inhalt in die Tonne um - DIEGO schlief um die Ecke im Wohnzimmer - eine Situation wie an die hundert Male zuvor - nicht aber heute: DIEGO sprang auf und schnappte nach ihrem Arm.
Natürlich haben wir nach dieser Attacke sofort eine Reihe von Hundepsychologen und auch Hundeschulen aufgesucht. Eine richtige Idee hatte keiner - "Wieso nur hat die Hund Ihre Tochter gebissen?" Jeder will nur "seinen Stremel" unterrichten und durchziehen.

Bei Jan Fennell steht es schon auf den ersten Seiten: "Die Verwaltung der Futters steht nur den Ranghöheren zu." Problem erkannt: Es war ein reiner Disziplinierungsbiss, der einem dicken Hundefell sicher nichts hätte anhaben können - der dünnen Menschenhaut schon. Aber: kein aggressiver Hund, sondern nur ein extrem selbstbewusster.
"Sie müssen dies tun und Sie müssen das tun.", so die Hundetrainer. Wir haben dann viel mit ihm trainiert - besonders Claudia - und sie konnte ihn 3, 5, 7 mal an seinem Napf vorbei rufen, bis er fressen durfte und er gehorchte. Sie befahl im "Sitz" und "Platz" und vom Platz zurück ins Sitz - zig mal jeden Tag. Wir haben ihre Fingerbewegung noch heute vor Augen, weil DIEGO auch perfekt auf reine Fingerzeigs reagiert hat. Tolle Sache, tolles Training, hat halt nur mit tatsächlicher Rangordnung im Rudel nichts zu tun - wissen wir heute.

Heute - inzwischen über sechs Jahre nach diesen Sachen - können wir etwas locker und vielleicht auch ironisch darüber berichten. Damals machte sich Panik breit. Wir mussten um die Gesundheit - vielleicht gar das Leben der Kinder fürchten - zumal seinerzeit auch niemand so richtig den Grund für die Attacken erkannte - aber wir wollten ja auch dem Hund kein Unrecht zufügen. Er war noch immer ein Hund, der auf der Kampfhundeliste stand und für den die logische Konsequenz nach einem Angriff die "Todesstrafe" war.
Mit den Trainings dachten wir, dass alles wieder im Lot sei, jedoch weit gefehlt: Einige Zeit später war Claudia beim Saubermachen und fegte in dem Bereich, wo sonst DIEGOs Napf stand - wie auch schon hunderte Male zuvor. Obwohl das Napf gar nicht da war, sah sich DIEGO veranlasst sie erneut in ihre Schranken zu weisen. Er schnappte wieder nach ihrer Hand. Gut, also müssen wir den Kontakt zwischen Claudia und DIEGO verhindern, wenn wir nicht da sind - dann kann ja nichts mehr passieren.

Einige Tage oder Wochen später: Alex saß im Sessel und sah fern, DIEGO lag zu seinen Füßen. Auch eine Situation, die es schon hunderte Male zuvor gegeben hatte. Als Alex seine Beine ausstreckte und vielleicht etwas zu nahe an DIEGOs Bereich kam, sprang der auf und verwies - auf Hundeart - Alex in seine Schranken. Von nun an weigerten sich die Kinder mit dem Hund allein zu bleiben - nur zu verständlich.
oben:
Bilder aus besseren Tagen in 2003 LUNA ist da DIEGO und LUNA vertrugen sich hervorragend und zu dieser Zeit konnte noch jeder seine Füße auf DIEGO drauf stellen.


rechts
oben rechts:
DIEGOs letzter Ausflug mit Luna in Demmin.


unten links:
Heute lebt er bei Rosi mit gleich
3 Doggendamen  zusammen.

unten rechts:
Besuch mit LUNA an seinem 3. Geburtstag
am 15.08.2005
Bianca war im Juli 2004 in ein Angestelltenverhältnis eingetreten und weilte um diese Zeit zu einigen Schulungen die Woche über in München. Hanno konnte DIEGO nicht jeden Tag mit ins Amt nehmen. Jetzt gab es drei Möglichkeiten:
  • Einen Zwinger bauen und den Hund tagsüber wegsperren. So wie DIEGO auf Menschen bezogen war, hätte er diese "Einzelhaft" sicher nicht verstanden - er war sich ja nicht bewusst irgend etwas Falsches getan zu haben. Es war zu befürchten, dass er - so gehalten -irgendwann auch gegen den Rest der Familie oder andere Personen aggressiv werden könnte. Außerdem halten wir nichts von Zwingerhaltung.
  • Euthanasie - bedarf sicher keines weiteren Kommentars.
  • Trennung? - leichter gesagt als getan. Wer gibt schon freiwillig einen Hund weg?
Hinzu kommt die Verantwortung den neuen Halten gegenüber:

Auch ein gut gehorchender und ordentlich sozialisierter Fila ist in falschen Händen eine Waffe. DIEGO hatte bisher 3 Mal mit einem Angriff auf einen Menschen Erfolg - damit wusste er, dass er mit seinen Zähnen seinen Willen durchsetzen kann. Somit war er sogar eine scharfe Waffe.

Hinzu kommt sein fila-typisch ausgeprägter Argwohn gegen Fremde. Jeder außerhalb der Familie war ein Fremder. Wem also sollte, konnte man ihn geben?

Abgesehen von diesen Sachen war er ein lieber, knuffiger Teddybär.
Wenn der einen ansah, konnte man ihm nichts abschlagen.
Am 5. September 2004 wurde DIEGO bei uns abgeholt.

Einen Teil der Geschichte lassen wir jetzt weg, weil wir auch nicht 100%ig wissen, was genau passiert ist. Heute lebt DIEGO bei Rosi am Achterwasser - gar nicht so weit weg von hier - und wir haben ihn schon einige Male besucht.

Vor dem ersten Besuch taten wir uns etwas schwer:
"Was ist, wenn er wieder mit uns mit will?"

Wir hatten unsere Meinung - die Kinder ihre, aber die Frage stellte sich nicht.
1. wollte er nicht mit und
2. hätte Rosi ihn schon damals nicht mehr hergegeben.
E-Mail vom 23. September 2011

Hallöchen,

ich wollte mich mal melden - und Diego bedankt sich für die Geburtstagsgrüsse.
Diego geht es soweit gut, er hat zwar ein Altersherz, aber mit Medikamenten bekommen wir alles in den Griff.
Da Diego ja viele Jahre schon Blut gespendet hat, wurde er auch regelmäßig durchgecheckt.

Im Moment ist unser Hasi (Diego) etwas durcheinander (Alzheimer), aber wir kommen damit klar und die Klink in Greifswald - Quandt und Bracke - helfen uns dabei.
Diego wird dort sehr gern gesehen, weil er bem Blutspenden früher immer so ruhig und ausgeglichen war.

Er hat niemals geknurrt oder gezappelt und viele Hunde verdanken ihm ihr Leben.

Auch heute ist Diego noch ein wunderschöner Hund und wir sind sehr stolz auf ihn.
Vielleicht wollt Ihr auf eurer HP noch ein neues Foto von Diego einstellen. [Wir wollen und wir haben. d. A.]
Wir danken Euch für diesen wunderbaren Hund.

Liebe Grüße von Diego, Ingolf und Rosi
Liebe Rosi & Ingolf,

unser Dank geht an euch, die ihr unserem DIEGO überhaupt die Chance gegeben habt weiter zu leben, so alt zu werden und so viel Gutes zu tun. Was wäre vielleicht aus ihm geworden, wenn es euch nicht gegeben hätte?

Hier bei uns mag sich Niemand vorstellen was gewesen wäre, wenn einige Entscheidungen in jenen denkwürdigen Tagen im September / Oktober 2004 anders gefallen wären...
und / oder ihr damals nicht auf ihn aufmerksam geworden wärt...


Diego ist im März 2013 über die Regenbogenbrücke gegangen. Er hatte einen bzw. mehrere Schlaganfälle.
 

Seeblickbulls

Erinnerungen

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü